Direkt zum Inhalt

Zwischen Nostalgie und Moderne

/up/images/featured/images/zwischen_nostalgie058.jpg
Böse Zungen vergleichen Putrajaya, das hypermoderne Verwaltungszentrum im Südwesten Malaysias, mit einem Disneyland für Beamte. 1995 entstand die Planstadt für 90.000 Einwohner knapp 30 Kilometer südlich der Hauptstadt Kuala Lumpur. Die weitläufige, nach dem ersten Ministerpräsidenten des Landes, Tunku Abdul Rahman Putra benannte Satellitenstadt, verschmilzt Natur und Technik zu großen architektonischen Gesten.Bildübersicht

Nicht zufällig bedeutet der Namenszusatz jaya Perfektion. Diese Attitüde ist in Putrajaya Programm für Paradebeispiele islamisch-malaysischer Prestigebauten, malerischer Parks, künstlicher Seen und Wasserstraßen. Nach einem unausgesprochenen Masterplan verbindet die Stadt dabei historische und nationale Bauformen mit modernsten Materialien. Neben der Königsresidenz Istana Melawati und dem 68 Meter hohen, säulenförmigen Millennium Monument zählt die Putra Moschee mit ihrem 116 Meter hohen Minarett – dem höchsten in ganz Südostasien – zu den touristischen Sehenswürdigkeiten.

Herausragendes Wahrzeichen des neuen Regierungssitzes ist jedoch die Tuanku Mizan Zainal Abidin Moschee. Unmittelbar neben dem Millennium Monument am Putra Lake errichtet, verkündet der im Volksmund Eiserne Moschee genannte Sakralbau Präsenz und Stärke des Islam. Das einzigartige Kühlungssystem, bei dem Klimaanlage und Ventilatoren durch GKD-Edelstahlgewebe vom Typ Escale überflüssig wurden, verleiht dem Bau seine besondere Aufenthaltsqualität. Zusätzlich schützt das semitransparente Spiralgewebe die Gläubigen zuverlässig vor Sonne und Schlagregen.

Textile Fenster
Mit der zweiten Hauptmoschee von Putrajaya, der Tuanku Mizan Zainal Abidin Moschee, entstand, nur zwei Kilometer von der Putra Moschee entfernt, eine neue Landmarke der Stadt. Größer, moderner und in ihrer Konstruktion deutlich anders als üblich setzt die Eiserne Moschee zeitgemäße Zeichen. Ihren Namen verdankt sie einer Baukonstruktion, die zu 70 Prozent aus Stahl besteht. Nach dem Willen der Planer und Auftraggeber sollten drei konzeptionelle Prinzipien den Bau prägen: Einfachheit, Luftigkeit und Transparenz. Gut fünf Jahre nach dem Baubeginn im April 2005 präsentiert sich die fertige Moschee jetzt als ausdrucksstarkes Symbol sakraler Identität.

Eine puristische Stahlkonstruktion in der typisch geometrischen Ornamentik charakterisiert ihre 24 Meter hohe Fassade als moderne Interpretation islamischer Architektur. Optisch verbunden werden die rechteckigen Öffnungen der mäanderartigen Konstruktion durch eine filigrane Fassadenhaut aus 4.300 m2 Edelstahl-Spiralgewebe. Jedes Gewebeelement ist 7,70 m breit und bis zu 8,30 m lang. Jeweils drei dieser Elemente wurden vor Ort miteinander verbunden, so dass sie der imposanten Fassaden- und Fensterhöhe optisch nahtlos folgen.

Nahezu unsichtbar befestigt mit Hakenschrauben geben sie dem Wunsch der Bauherren nach Schlichtheit, Transparenz und Dialogbereitschaft Ausdruck. Abhängig vom Standort des Betrachters und Lichteinfall wirkt die textile Hülle semitransparent oder opak, metallisch schimmernd oder monochrom hellgrau. Schemenhaft reflektiert sie Mensch und Natur in ihrer Umgebung und überträgt die Harmonisierung des Miteinanders, für das auch das gemeinschaftliche Gebet in der Moschee steht, augenfällig nach Außen. Nachts setzt gezielte Lichtinszenierung die Transparenz leuchtend in Szene.

Natürliche Klimatisierung
Neben dieser symbolträchtigen Optik übernimmt das robuste, wartungsfreie Gewebe auch sehr komplexe technische Aufgaben. Die Pläne des Architekten Nik Arshad Nik Mohammed sahen eine natürliche Klimatisierung des Hauptgebetsraums, der Platz für 20.000 Gläubige bietet, vor.

Er verzichtete in seinem Entwurf auf Glasfenster und entwickelte die Idee einer Gewebehaut als schützende Membran. Das in Malaysia vorherrschende tropische Klima mit ganzjährig hohen Temperaturen und heftigen Niederschlägen im Frühjahr und Herbst stellte anspruchsvolle Bedingungen an ein geeignetes Material: Das Spiralgewebe Escale 7x1 der GKD – Gebr. Kufferath AG erfüllte die hohen Anforderungen an Transparenz und Technik gleichermaßen.

Beständig gegen Korrosion und Hitze, pflegeleicht, nicht brennbar und widerstandsfähig gegen mechanische Einwirkung überzeugte das Edelstahlgewebe primär durch seine nahezu unbegrenzte Lebensdauer und geringen Folgekosten. Entscheidend für seinen Einsatz war jedoch die laminarisierende Wirkung des Gewebes, die vor Zugluft schützt, gleichzeitig aber den Kühlung bringenden Wind in angenehm gleichmäßiger Strömung das Gebäude durchdringen lässt.

So entsteht in der gesamten Moschee eine komfortable, natürliche Klimatisierung, die den Einsatz von Klimaanlagen oder Ventilatoren erübrigt. Angesichts der über die gesamte Fassadenhöhe reichenden Fensteröffnungen bewährt sich das Gewebe zudem als effektiver Schutz vor Sonne und Schlagregen. Zugleich unterstreicht die gewebte Transparenz mit sanfter Helligkeit des Tageslichts die meditative Atmosphäre in der Moschee.

Zeitgemäße Identität
In jeder Kultur gehören Sakralbauten zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Architektur. Die Verbindung von Ästhetik und Spiritualität macht sie zu

Gebäuden von gesellschaftlicher Relevanz. Moscheen sind – anders als christliche Kirchen – kein Gotteshaus, sondern multifunktionale Begegnungsstätten ohne einheitlichen Formenkanon. Einzig unverzichtbares Element für die Gläubigen ist die exakt nach Mekka ausgerichtete Gebetswand, die Qibla.

Durch das gemeinschaftliche Gebet entsteht die Sakralität. Als Ort des Betens, Lernens und Lehrens paart die Eiserne Moschee in Putrajaya traditionsbewusste Religiosität mit zeitgemäßer Identität. Eigenständig in Formensprache und funktionaler Ästhetik gilt sie schon heute als Meisterwerk zwischen Nostalgie und Moderne.

www.highlight-web.de

Gefällt Ihnen dieser Artikel?

Ja: 57     Nein: 68

Share

Share


logo © 2007 4-INDUSTRY, s.r.o. Alle Rechte vorbehalten. Angabensicherheit –  Service Bedingungen