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Neues Licht am Reichstag

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Eines der augenfälligsten und symbolträchtigsten Gebäude der Bundesrepublik Deutschland hat seit Ende Mai ein neues Gewand: Der historische Reichstag in Berlin, Sitz des Deutschen Bundestages, hat eine neue, künstlerische Beleuchtung bekommen. In einem Wettbewerb setzte sich der Hamburger Szenograf Michael Batz mit einem Konzept durch, das am 22. Mai offiziell eingeschaltet wurde.

Die Grundfarbe der 400 Strahler ist ein warmes weißes Licht, das den eingesetzten Baustoffen schmeichelt und so Ornamente und symbolhafte Fassadenelemente akzentuiert. Foto: Stiftung Lebendige Stadt

Pünktlich zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland war die Installation komplett und konnte bei einer feierlichen Premiere übergeben werden. Berliner und Besucher, vom Touristen bis zum Staatsgast, können nun eine neu interpretierte Beleuchtung des Reichstags sehen. Die künstlerische Illumination ist ein Geschenk der Gemeinschaftsinitiative der Stiftung „Lebendige Stadt“, der Stiftung Zukunft Berlin sowie der Sparkassen, die die Kosten der Installation in Höhe von rund einer Million Euro übernommen haben. Schirmherr ist Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert, der mit seinem Knopfdruck die rund 400 Leuchten von Philips einschaltete und das Reichstagsgebäude in ein warmweißes Licht tauchte.



Detaillierte Beleuchtung

Das neue Illuminationskonzept zeichnet die architektonischen Konturen und historischen Formen des Gebäudes würdevoll und sensibel nach. Die Architektur in ihren his-torischen und modernen Elementen wird so durch das Licht auch bei Nacht herausgearbeitet, mit vergleichsweise zahlreichen Leuchten mit kleinen Leistungsstufen, die in der Lage sind, einzelne Details zu akzentuieren und das Licht genau einzusetzen. Das historische Berliner Reichstagsgebäude wurde zwischen 1884 und 1894 nach den Entwürfen des Architekten Paul Wallot errichtet. Nach dem Umbau durch den britischen Architekten Sir Norman Foster ist das Gebäude seit April 1999 offizieller Sitz des Deutschen Bundestages.

Durch den sorgsamen Umgang mit dem Licht wird insgesamt deutlich weniger Anschlussleistung eingesetzt, sodass die Beleuchtung aufgrund des niedrigeren Energieverbrauchs zugleich auch ökologischen Anforderungen entspricht. Durch den Einsatz modernster Beleuchtungstechnik können durchschnittlich 60 Prozent Energie oder ein Äquivalent von 33 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

Mehr als 3.600 geladene Gäste kamen zur Einweihung der Illumination vor der Westfassade des Reichstagsgebäudes zusammen – darunter die Bundeskanzlerin, Bundesminister, Ministerpräsidenten sowie Mitglieder der Bundesversammlung, die am darauf folgenden Samstag den Bundespräsidenten wählten. Auf Einladung der Sparkassen nahmen auch rund 1.600 Bürgerinnen und Bürger aus allen Teilen Deutschlands an der Illuminations-Premiere teil.

„Das Zusammenfallen von 60 Jahren Bundesrepublik Deutschland und 200 Jahren Sparkassen im Jahr 2009 war für uns Anlass zu einem Dank an die Bundesrepublik Deutschland. Wir tun dies, indem wir finanziell ermöglichen, das entscheidende Gebäude der deutschen Demokratie dauerhaft ‚ins rechte Licht’ zu rücken“, sagte Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes.

Alexander Otto, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung „Lebendige Stadt“, betonte den Vorbildcharakter dieses Projekts: „Das Reichstagsgebäude soll ein leuchtendes Beispiel dafür sein, wie man mit weniger Energie mehr städtebauliche Qualität erreichen kann.“

„Die neue Beleuchtung soll die herausragende Position des Reichstagsgebäudes in der Berliner Stadtlandschaft noch verstärken – als der wichtigste gemeinsame Ort für die Deutschen aus allen Teilen des Landes“, sagte Volker Hassemer, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zukunft Berlin.

Geplante Lichtwirkung

Das Illuminationskonzept stammt vom im Stadtraum äußerst erfahrenen Hamburger Lichtkünstler Michael Batz, der sich im vorigen Sommer in einem bundesweiten Wettbewerb mit seinem Entwurf durchgesetzt hatte. Die künstlerische Leitidee des Siegerentwurfs besteht in der Synthese von architektonischer Identität, städtebaulicher Qualität, demokratischer Symbolik und zeitgemäßem Design. Konzentrierte sich die bisherige Beleuchtung allein auf das Eingangsportal, werden nun erstmals alle vier Fassadenseiten, die Freitreppen und Dachskulpturen illuminiert. Die Grundfarbe der 400 Strahler ist ein warmes weißes Licht, das den eingesetzten Baustoffen schmeichelt und so Ornamente und symbolhafte Fassadenelemente akzentuiert. Das Ergebnis ist ein unaufdringliches und würdevolles Bild des Reichstagsgebäudes in seiner stadträumlichen Umgebung. Um verschiedenen Anforderungen und Anlässen gerecht zu werden, hat Batz insgesamt drei verschiedene Lichtszenarien entworfen.

Auch aus ökologischer Sicht setzt die Illumination neue Maßstäbe. Neben einer großen Zahl von LED kommen auch moderne Metallhalogendampflampen zum Einsatz. Teils als Bodeneinbauleuchten im his-torischen Charlottenburger Pflaster, teils unmittelbar am Gebäude in bis zu 45 Metern Höhe installiert, lieferte Philips eine Reihe von speziell auf die jeweiligen Einsatzgebiete abgestimmte Leuchten. So könne der Bundestag mit der neuen Illumination seinen bisherigen Energieverbrauch für die Außenbeleuchtung reduzieren, sagte Philips-Lichtvorstand Robert Pfarrwaller. Die durchschnittlichen Energiekosten pro Stunde lägen künftig bei 1,09 Euro.

Und nicht nur beim Stromverbrauch erweist sich das neue Licht als sparsam, auch die Wartungskosten sind durch die lange Lebensdauer der eingesetzten Lampen gering. Bereits die Metallhalogendampflampen weisen lange Standzeiten auf, die aber durch die LED noch übertroffen werden. Die eingesetzten LED-Leuchten sind für eine Betriebsdauer von mindestens 50.000 Stunden konzipiert.



Temporäres Licht als Anstoß

Die Idee zu dem künstlerischen Beleuchtungskonzept geht zurück auf die zeitweilige Illumination des Reichstagsgebäudes durch die Stiftung „Lebendige Stadt“ während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Viele Menschen hatten daraufhin den Wunsch geäußert, die herausragende Stellung des Gebäudes im Parlaments- und Regierungsviertel der Hauptstadt mit einer dauerhaften Gesamtillumination zu betonen. Auch damals hatte Michael Batz für das Konzept gesorgt, dass sich allerdings durch seinen bewusst temporären Charakter von der jetzigen Beleuchtung deutlich unterschieden hat.

Dieser Wunsch der Bevölkerung ist nun dank der Gemeinschaftsinitiative der Stiftung „Lebendige Stadt“, der Stiftung Zukunft Berlin und der Sparkassen-Finanzgruppe Realität geworden. Die Stiftung „Lebendige Stadt“ verfolgt das Ziel, die Zukunft unserer Städte aktiv mitzugestalten. Dies tut sie seit dem Jahr 2000 durch die Initiierung und Förderung nachahmenswerter urbaner Projekte, die zu mehr kultureller Vielfalt und Lebendigkeit beitragen. Dafür engagieren sich in der Stiftung bekannte Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Medien.

Die Stiftung Zukunft Berlin engagiert sich für die Zukunft der deutschen Hauptstadt und deren Platz in Europa. Sie versteht sich als bürgerschaftliche Initiative, getragen von Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Politik. Sie ist eine gemeinnützige, politisch unabhängige und operativ arbeitende Stiftung.

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